Ein philosophischer Essay
Geht es euch manchmal auch so?
Ihr erlebt etwas — und für einen kurzen Augenblick fragt ihr euch, ob die Welt wirklich die ist, für die ihr sie haltet.
Manche Abgründe erschrecken uns und unser Verstand verschließt sie. Manches vergessen wir nie...
Wir sagen uns "Es wird schon"
Und dann... Themenwechsel.
Hier öffnen wir die Büchse der Pandora, nicht einfach so, sondern weil wir uns entscheiden, Verantwortung zu tragen — für uns und für diejenigen, die es nicht können. Für jeden, dessen Leid wir persönlich und systematisch in Kauf nehmen.
Wir entscheiden uns, an das Gute zu glauben — auch wenn es bedeutet, enttäuscht zu werden.
Wir entscheiden zu handeln — auch wenn es schwer ist.
Es geht um den Wert.
Wir wollen in einer Welt leben, deren Schönheit größer ist als das, was wir begreifen können. Wie Kinder wollen wir die Hand in den Himmel ausstrecken, nicht wissend, ob wir die Sterne greifen können, feststellend, dass selbst im Scheitern noch etwas Schönes liegt. Die Natur birgt eine Schönheit, die uns Fehler verzeiht und über uns schmunzelt, während sie uns größere Tiefe offenbart. Sie schürt unsere Faszination – vielleicht, weil sie unsere Erwartungen selbst dann noch übertrifft. Vielleicht liegt Frieden nicht darin, dem Leben zu entkommen, sondern tief genug in ihm verwurzelt zu sein.
Dieser Text wird dich und das System, in dem du lebst, in Frage stellen, nicht böswillig, sondern aus einer Notwendigkeit heraus. Es wird dich darum bitten etwas zu tun, für etwas einzustehen, nicht aus Zwang, sondern aus Einsicht.
Du musst diesen Text nicht lesen, selbst wenn er "Gut" werden sollte und die Informationen wichtig wären.
Dieser Text will nicht unterhalten.
Es ist Arbeit, welche dir dein Leben zeitweise erschweren, ja, verkomplizieren wird.
Dennoch ist die darin gelebte Denkweise von Sinn erfüllt und kann dir genau diesen geben.
Und wenn du glaubst zu schlecht für Gnade zu sein, für den Weg in ein „normales“ oder schönes Leben, dann lass mich dir sagen, dass es nie zu spät ist.
Sieh deine Fehler an.
Leugne sie nicht.
Und trage sie.
Entscheide dich für das Gute...
...und du wirst einen schmerzhaften Weg finden...
...der zu jener Schönheit führt...
...von der du nicht einmal mehr zu träumen wagst.
Wert
Leben. Was macht das Leben aus? Ist es etwas Unerklärliches, ein Wunder? Eins können wir mit Sicherheit sagen, wir erleben es. Also haben wir Eindrücke, Vorstellungen, manches können wir mit scheinbarer Gewissheit sagen und manches geht über unsere Sicht hinaus oder an ihr vorbei. Die Art wie wir das Leben erleben formt uns und erschafft unseren Weg. Manche Wege wollen wir nicht gehen und dennoch entscheiden wir uns für sie. Sagen wir also das Leben ist überwältigend. Es formt uns mit oder ohne unseren Willen und manchmal formen wir es.
Erinnern wir uns an den Moment als wir das erste mal einen Bettler sahen? Vermutlich nicht, wir konnten es damals vermutlich nicht einordnen aber wir können davon ausgehen, dass es ein Kind schockt, wenn es den Abgrund darin sieht.
Wenn ein Kind auf der einen Seite Luxus sieht und dann lernt wie in anderen Welten Menschen unter Hunger, Not und Armut leiden und leben müssen...
Was verändert sich da? Es wird geformt.
Subtil?
Wir verlieren in der Kindheit das Vertrauen in das Model des Menschen und werden zu Wesen, die mit Louis Vuitton Taschen an Bettlern vorbeigehen ohne sie eines Blickes zu würdigen, nein, wir beleidigen sie noch gedanklich als Versager, weil sie es nicht geschafft haben einen Reichtum zu erzielen und ihn vor anderen zu schützen.
Wie konnte es soweit kommen und ist das vielleicht das größte Problem? Ein so fundamentales, dass es einen riesigen Rattenschwanz nach sich zieht und sich selbst erhält?
Ist der Fokus auf den Reichtum eine logische Konsequenz, weil wir im Zwischenmenschlichen zu wenig Erfüllung erfahren?
Es gibt viele Abgründe, viele Gründe die unausweichlich zum scheitern führen.
Doch..
Würde eine Welt die wirklich ernsthaft nach Ethik strebt, besser funktionieren? Wäre sie stabiler, lebendiger, schöner? Würde die Natur uns dann wieder wie ein Kind behandeln und die Sterne greifbar erscheinen lassen?
Ich hoffe es so sehr, dass ich davon überzeugt bin, das macht für mich die tiefe Schönheit des Lebens aus.
Arbeit
Der erste Schritt ist, weg vom Kampf zu kommen — und anzufangen, es Arbeit zu nennen.
Den Kampf gewinnen wir nicht. Haben wir bisher nicht. Warum also sollten wir glauben, dass es diesmal anders wird?
Die bösen Reichen... Die bösen Radikalen...
Die bösen Verbrecher... Die bösen Armen...
Solange wir Feinde benennen, arbeiten wir nicht — wir kämpfen. Sehen wir die Menschheit als System, in dem Verbrecher ein Produkt sind, können wir anfangen daran zu arbeiten.
Diese Arbeit bedeutet Handeln weil es richtig ist — auch wenn es uns herausfordert. Das Ziel muss über unseren Begierden und unserem Ego stehen. Wer das schafft, wird aus Sicht anderer Wunder hervorbringen, ohne etwas im Gegenzug zu erwarten.
Der Edle Krieger jubelt nicht auf dem Schlachtfeld wenn er gewinnt — er trauert um die Gefallenen auf beiden Seiten.
Er würde jeden Kampf meiden wenn er könnte.
Im Vergleich dazu reden wir über Kämpfe, die Gründe haben, deren Ursachen meist bestehen bleiben. Wir hingegen freuen uns wenn wir eine Frau verteidigt haben, haben jedoch kein Mitgefühl für den Täter — der ein schweres Schicksal hatte, oder, wenn er so weiter macht, ein noch schwereres haben wird.
Zivilcourage ist wichtig — auch wenn sie nur bedeutet, unbemerkt die Polizei zu verständigen.
Jede Tat formt uns. Jede Kleinigkeit wird zur Haltung.
Genauso wichtig ist es aber, die Ursachen dieser Symptome zu erkennen und zu beseitigen.
Ethik als lebensbegleitendes Schulfach — so wie Konfuzius es lehrte — wäre ein Anfang:
ZitatEinen Fehler machen und ihn nicht korrigieren – das erst heißt wirklich einen Fehler machen. (Konfuzius, Analekten)
Kindern beibringen, ihr Verhalten zu reflektieren, nicht einmalig, sondern dauerhaft.
Aus genau diesem Grund wird dieser Text geschrieben, um einen der wichtigsten Aspekte unseres Lebens zu beleuchten, dem in heutiger Zeit zu wenig Beachtung geschenkt wird. Es wird versucht einen "Ganzheitlichen" ethischen Kompass zu erstellen, mit der Mitwirkung der Überlieferungen großer Denker, der ausreichend ist, um diesen Kindern zu reichen.
Tatsächlich ist das vorhandene Gedankengut der alten Denker mehr als ausreichend um diesen Schritt zu wagen.
Ein System das die Vielen befriedigt auf Kosten der Wenigen, erzeugt keinen echten gesellschaftlichen Wert – es zwingt uns über die teils riesigen Abgründe anderer hinweg zu sehen.
Nur die Verbesserung des Systems bringt Veränderung, nicht das Bekämpfen irgendwelcher Gruppen die das Resultat sind, das führt nur zu kurzfristigen Änderungen. Das System wird solange Symptome hervorrufen, wie wir die Bedingungen dafür aufrecht erhalten.
Das Pflücken eines Apfels stoppt nicht das Wachsen vom nächsten Apfel an diesem Baum.
Selbst wenn wir für uns beschließen, moralisch zu handeln – das System um uns herum tut es nicht automatisch. Und weil wir Teil dieses Systems sind, tragen wir die Verantwortung, nicht nur uns selbst, sondern auch den Boden, auf dem wir alle wachsen, zu verbessern.
Wir müssen das System verbessern anstatt nur denen, die durch das System zu Schaden gekommen sind, Schuld zu geben.
Das bedeutet nicht, dass wir keinen mehr in Gefängnis bringen sollten, sondern, dass wir nicht erwarten brauchen, dass das System in Zukunft anders funktioniert, nur dadurch, dass wir das Ergebnis dessen beseitigen.
Das Wichtigste in der heutigen Zeit ist es sich richtig zu benehmen. Erst dann kann die Menschheit über eine dauerhafte Gesundheit im System, sowohl als auch, ihrer Selbst nachdenken.
Es gibt immer wieder Desaster, gerade in dem heutigen Informations-Zeitalter und, ja, tatsächlich fragen wir uns nicht umsonst, wie es sein kann, es ist katastrophal, ohne jeden Zweifel.
Es muss etwas getan werden, für jeden von uns.
Viel zu lange haben wir die Ethik in den Hintergrund gedrängt, spätestens seit der Industrialisierung hätte sich auf diesem Gebiet mehr tun müssen. Wir müssen also etwas nachholen.
Vielleicht sind es am Ende nur ein paar Wenige, die den Unterschied machen werden.
Unser Ziel sollte es sein, Diese heranwachsen zu lassen, und Ihnen die Wege zu pflastern.
Stellt euch eine Welt vor, in der Kinder lernen ihre Emotionen zu kontrollieren und sich selbstständig Prinzipien aneignen, während sie Erfahrungen sammeln, welche sie dann reflektieren. Eine Welt in der Obdachlosigkeit sehr selten geworden ist weil fremde Menschen aus Prinzip den anderen helfen. Eine in der Status, Geld oder Macht nicht Einsamkeit mit sich bringt und jeder Ethik beigebracht bekommt.
Fast schon Utopie oder?
Irgendwann wird das möglicherweise der Fall sein, umso eher wenn wir das Fundament dafür legen. Aus gesellschaftlicher Sicht ist das, das beste was wir erbringen können, auch aus Sicht des Fortschritts.
Das Ego behindert unser Vorankommen. Wichtig ist auch unser Befinden. Und das steigt drastisch, wenn die Gesellschaft als Ganzes vernünftiger wird.
Freundschaften werden befriedigender, Streit seltener.
Wenn wir uns solch eine Gesellschaft als Ziel setzen wird die Welt mit Sicherheit ein besserer Ort, ganz egal wie nah wir dieser Vorstellung kommen.
Wir müssen es nur schaffen, dem Menschen eine Nische der Ethik in sein Denken einzubauen, am besten im frühen Alter. Diese Nische sollte gepflegt werden, bis der Mensch die Pflege selbstständig übernimmt.
Das Mittel heiligt den Zweck
Ist es nicht andersherum?
Die Annahme wird hier sehr radikal gesetzt.
Sollte das Mittel schlecht sein, wird der Zweck schlecht, auch wenn er aus guten Absichten und einem höheren Ziel hervorging. Das Mittel kann das Resultat, nahe zu unsichtbar verderben, sollte das Mittel nicht rein sein, so wird aus der Mücke unter richtigen Bedingungen ein Elefant.
Das Informationserhaltungsgesetz aus der Physik.
Ein durch Korruption oder Zwang aufgebautes System kollabiert genau an dieser inneren, unsichtbaren Fäulnis, weil das Fundament die Last nicht trägt.
Die folgenden Sätze sind etwas hart und mögen manche abschrecken oder verängstigen, dennoch lohnt es sich in dieser Hinsicht an Sich zu arbeiten, selbst wenn man glaubt zu viel Schlechtes getan zu haben. Am Ende zählt nicht wie weit man gefallen ist, sondern ob der Steigungswinkel nach oben geht.
Wenn ein gesellschaftlicher oder persönlicher Zweck durch Täuschung, Zwang oder Unreinheit erreicht wird, bleibt die Information dieser Täuschung im Fundament des Ziels gespeichert. Unter den richtigen energetischen Bedingungen entlädt sich diese gespeicherte Information und bringt das scheinbar gute, fertige Konstrukt zum Einsturz.
Ein Fluchtweg für die Informationen... Das Leid... Die Ungerechtigkeit... Welche man in Kauf nahm, um zum höheren Ziel zu kommen, wird unausweichlich seinen Lauf nehmen.
Information verfällt nicht. Nur die systematische Arbeit der Erkenntnis – in dem unerschütterlichen Wissen, dass jede Tat ewig Bestand hat – kann die Schockwellen des Unreinen dämpfen.
Nur Gutes kann Gutes hervorbringen.
Je tiefer die Schönheit, desto länger hat sie Bestand.
Eine Welt in der Ethik nicht funktioniert, wäre der Schöpfung von bewussten Wesen nicht würdig, sie würde Wesen erschaffen für die es keinen Sinn gäbe sich weiter zu entwickeln, die Evolution widerspricht dieser Vorstellung.
Nur das Mitleid mit den Tätern wird uns befähigen die Ursachen zu beseitigen. Grundgerüst für den Kompas Als absolute Basis sehe ich die Kultivierung der Mitmenschlichkeit als lebenslangen Prozess von Konfuzius, den Kategorischen Imperativ von Immanuel Kant und die 4 Kardinalstugenden aus der griechischen Philosophie.
Grundgerüst für den Kompass
Als absolute Basis sehe ich die Kultivierung der Mitmenschlichkeit als lebenslangen Prozess von Konfuzius, den Kategorischen Imperativ von Immanuel Kant und die 4 Kardinalstugenden aus der griechischen Philosophie.
Die wichtigsten Grundsätze, die mir bekannt sind:
Die Kultivierung der Mitmenschlichkeit (Ren) und Tugend Moral fällt nicht vom Himmel, sondern ist wie ein Muskel, den man täglich trainieren muss. Das höchste Ziel des Menschen ist es, ein „Edler“ (Junzi) zu werden. Das erreicht man durch ständige Selbstreflexion, das Lernen aus Fehlern und die Pflicht, das Richtige zu tun, einfach weil es richtig ist – ohne Schielen auf persönlichen Profit.
„Der Edle fordert alles von sich selbst, der Gemeine fordert alles von anderen.“ — Analekten (Lunyu)
Konfuzius (Kong Fuzi)
Der Meister der sozialen Harmonie und Selbstkultivierung.
„Niemand fehlt freiwillig.“ Sokrates war überzeugt: Wenn jemand etwas Böses tut, dann nur aus Unwissenheit. Wer wahrhaft erkennt, was gut und richtig ist, der handelt auch danach. Tugend ist für ihn eine Form von Wissen.
Sokrates (ca. 469–399 v. Chr.)
Der Urvater der abendländischen Philosophie.
Das Ziel des Lebens ist die Glückseligkeit (Eudaimonia). Alles, was wir tun, tun wir am Ende, um glücklich zu sein. Wahres Glück erreichen wir aber nicht durch bloßen Spaß, sondern indem wir unser menschliches Potenzial und unsere Vernunft voll entfalten. Tugend ist die goldene Mitte (Mesotes). Charaktertugend liegt immer in der Mitte zwischen zwei Extremen (Mängeln oder Übertreibungen). Zum Beispiel ist Mut die gesunde Mitte zwischen Feigheit (zu wenig) und Tollkühnheit (zu viel).
Aristoteles (384–322 v. Chr.)
Der Begründer der Tugendethik.
Der Kategorische Imperativ. Sein berühmtestes Gesetz lautet vereinfacht: „Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Bevor du handelst, frag dich: Was wäre, wenn jeder so handeln würde (z. B. lügen)? Der Mensch ist Zweck, niemals bloßes Mittel. Menschen haben eine unantastbare Würde. Du darfst andere (und dich selbst) niemals wie Werkzeuge oder Objekte benutzen, um deine eigenen Ziele zu erreichen.
Immanuel Kant (1724–1804)
Der Meister der Pflichtethik (Deontologie).
Die vier Kardinaltugenden (Aus der griechischen Philosophie) :
- Klugheit / Weisheit (Prudentia): Die Fähigkeit, Situationen vernünftig zu beurteilen, wohlüberlegt zu handeln und das Richtige zu erkennen.
- Gerechtigkeit (Iustitia): Das Streben, jedem das Seine zuzugestehen, die Rechte anderer zu wahren und sich für das Gemeinwohl einzusetzen.
- Tapferkeit / Mut (Fortitudo): Die Stärke, sich auch in schwierigen Zeiten oder bei Angst für das Gute einzusetzen und Widerstände zu überwinden.
- Mäßigung / Besonnenheit (Temperantia): Die Fähigkeit zur Selbstbeherrschung, das rechte Maß zu finden und nicht den eigenen Leidenschaften oder Extremen zu verfallen.